Lebensraum Kirchturm

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Beratungsausschuss für das deutsche Glockwesen e.V. haben der Johanneskirche, Berlin-Frohnau die Auszeichnung Lebensraum Kirchturm als Dank und Anerkennung für ihr besonderes Engagement im Natur- und Artenschutz verliehen.

Auszeichnung für die Johanneskirchengemeinde:  NABU verleiht den Artenschutzpreis "Lebensraum Kirchturm"

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hat die Johanneskirchengemeinde für das Projekt „Lebensraum Kirchturm“ mit dem Artenschutzpreis ausgezeichnet. Beim Festakt am 25. Februar nahm der GKR Vorsitzende Dr. Erich Fellmann stellvertretend für die Gemeinde die Urkunde und die Plakette entgegen.

„Ich bedanke mich im Namen der ganzen Gemeinde“, sagte Dr. Fellmann. „Eigentlich gehört der Preis auch ein bisschen den Turmfalken, denn sie haben uns den Gefallen getan, über zehn Jahre lang immer wieder zurück zu kommen“.

Seit 1999 hat die Gemeinde im Kirchturm einen Brutplatz für die gefährdeten Turmfalken eingerichtet. Wenige Tage, nachdem Stefan Kupko von der AG Greifvogelschutz den Kasten montiert hatte, war er schon von einem  Falkenpärchen bezogen worden. „In zehn Jahren (von 1999 bis 2009) flogen aus 59 gelegten Eiern 57 Jungfalken aus. Das ergibt eine Erfolgsquote von 97% (durchschnittliche Berliner Quote: 82%)“, so Stefan Kupko in seinem Internet-Tagebuch. Damit zählt die Johanneskirche „zu den frühesten und erfolgreichsten Brutstandorten in Berlin“. Grund genug, die Gemeinde zu ehren, aber der Bruterfolg war es nicht allein. Die Johanneskirche ist nicht nur der erfolgreichste Brutplatz, sondern auch der modernste: 2009 wurde eine webcam installiert, mit deren Hilfe die Brut über das Internet beobachtet werden kann. Seitdem haben 140.000 Besucher online beobachtet, wie aus den braun gesprenkelten Eiern stolze Turmfalken heranwuchsen.

Regelmäßig informierte Stefan Kupko die interessierte Öffentlichkeit nicht nur über die Fortschritte der Frohnauer Brut, sondern auch über alles Wissenswerte zum Thema Falken. Wir konnten lesen, dass das Gefieder eines Turmfalken mit knapp 25 Gramm etwa so viel wiegt, wie ein Brief, dass Jungfalken zwei bis vier Mäuse pro Tag verspeisen und am Ende ihrer Teenagerzeit sogar mehr wiegen, als die Eltern.

Ein eher unbeabsichtigter Nebeneffekt der gemeindlichen Falknerei ist den Experten allerdings nicht aufgefallen, vielleicht weil der christliche Blick auf die Tiere fehlt. Der GKR Vorsitzende Dr. Fellmann gab in seiner Rede beim Festakt zu bedenken: „Eigentlich müsste die Gemeinde ja gegen die Falken sein,  denn sie vertreiben die Tauben, die ja ein urchristliches Symbol sind. Falkenzeit heißt taubenfreie Zeit.“

Aber das ist für ihn noch lange kein Grund, die Tiere aus dem Turm zu vertreiben. Noch ist das Nest leer, aber schon im April hofft die NABU auf neue Gäste im Turm der Johanneskirche. Die Plakette und die Urkunde liegen jetzt im Gemeindebüro. Dr. Fellmann hat bei der letzten GKR Sitzung den Bauausschuss offiziell damit beauftragt, einen geeigneten Ort zu suchen, an dem die Plakette die Johanneskirche in Zukunft schmücken darf.

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Mehr zum Projekt auf den Internet-Seiten von NABU.

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