Veröffentlicht am Do., 19. Okt. 2017 14:43 Uhr

Übernächste Woche ist es soweit: Mit dem bundesweit als gesetzlichen Feiertag begangenen 500. Reformationsjubiläum endet die Lutherdekade der evangelischen Kirche. Tausende von Ausstellungen und Veranstaltungen haben die Dekade unter verschiedenen Stichworten begleitet – eine gut genutzte Chance der Kirche, die gesellschaftliche Diskussion zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu prägen.

Zum großen Reformationsgottesdienst in unserer Johanneskirche mit dem Kantatenchor:  „Ein feste Burg ist unser Gott“,  Predigt unserer früheren Pfarrerin Doris Gräb und Liturgie von Pfr. Schöntube lädt der Schaukasten ein.

Und er legt uns ganz besonders die vielbeachtete Kunstausstellung "Luther und die Avantgarde" in Lutherstadt-Wittenberg ans Herz, die die Frohnauer Frauen in einer Tagesfahrt im September  besichtigt haben.

Über 70 renommierte  Künstler aus aller Welt stellen in einem alten Gefängnis ihre Werke aus, mit denen sie die freiheitlichen Ideen der Reformation aus ihrer Sicht interpretieren. Günther Uecker, Stephan Balkenhol,  Thomas Huber, Alexander Kluge, Markus Lüpertz, Jonathan Meese, Ai Weiwei  sind nur einige der bekannten Namen. Jeder von ihnen hat sich mit seiner eigenen Handschrift des Themas Luther angenommen und dazu jeweils eine Zelle in dem alten Gefängnis gestaltet, eine geniale Idee des Kurators  Walter Smerling. Der wollte Wittenberg schon unverrichteter Dinge verlassen, weil er dort keinen geeigneten Ausstellungsraum für moderne Kunst finden konnte und veranlasste im letzten Moment den Taxifahrer zu einer Vollbremsung, als er am leerstehenden Gefängnis aus wilhelminischer Zeit vorbeifuhr.

Ein zentrales Kunstwerk ist der im Schaukasten abgebildete rote etwas eingedrückte Boxhandschuh des Künstlers Erwin Wurm, der Luthers Stärke aber auch seine Verletzungen und Blessuren symbolisiert. Ebenfalls „outdoor“ ein Mosaik, aus dem sich erst aus der Vogelflugperspektive das Gesicht des Wikileak Helden unserer Tage Edward Snowden zusammensetzt. Auch das Zeitungspapier im Schaukasten referenziert auf ein Werk der Ausstellung, die sich über 3 Etagen im Treppenhaus erstreckende Kollage aus aktuellen Zeitungsausschnitten zum Thema Luther von Olaf Metzel. Keinesfalls versäumen darf man die etwa 10minütige Videoinstallation „Casting Jesus“ von Christian Jankowski: Eine echte Kommission des Vatikans geht ganz in ihrer spielerisch gestellten Aufgabe auf, einen geeigneten Darsteller für eine moderne Verfilmung der Lebensgeschichte Jesu auszuwählen. Die jeweils in der rechten Bildhälfte gezeigte Unterhaltung der Vatikankommission voller italienischer Gestik ist noch viel köstlicher als die redlichen Mühen der Jesusdarsteller auf der linken Bildseite.

Wer sich auch nur ein wenig für moderne Kunst interessiert und für Luther, der darf diese Ausstellung nicht versäumen. Sie wurde bis zum 19. November verlängert.

Wem Wittenberg  zu weit ist, der kann im Berliner Gropiusbau fündig werden. Noch bis zum 6. 11.  geht die Ausstellung „ Der Luthereffekt“  der Wirkgeschichte und den Konfliktpotentialen der Reformation am Beispiel von 4 stark protestantisch geprägten Ländern,  Schweden, Korea, Tansania und den USA nach.

Maren Topf-Schleuning  

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