Veröffentlicht am Mo., 11. Mär. 2019 09:58 Uhr

Kreuzweg nach Kreuzberg

Abbiegen nach Kreuzberg – ein Straßenschild aus Berlin bildet den Vordergrund des diesjährigen Plakats für die ökumenischen Passionsandachten. Abbiegen aus dem gewohnten Trott und sich auf den Kreuzweg, auf Jesu Leidensweg begeben. Dazu lädt das Plakat ein: 6 der uns aus der katholischen Kirche bekannten 14 Kreuzweg-stationen wurden ausgewählt, u.z. diejenigen, die sich auf eine bestimmte Stelle im Matthäus bzw. Lukasevangelium beziehen. Die legendenhaften Stationen von dem dreimaligen Zusammenbrechen Jesus unter der Last des Kreuzes, der Begegnung mit seiner Mutter und von der heiligen Veronika, die ihm das Schweißtuch reicht, finden keine Entsprechung. Außerdem fehlen die letzten 3 Stationen Tod, Kreuzabnahme und Grablegung – es gibt ja nur 6 Mittwochstermine in der Passionszeit.

Das Schaukastenteam hat den Kreuzweg umgesetzt in 6 Stufen aus Pappkartons, auf dem letzten steht ein Kreuz aus Birkenstämmen. Die Treppe ist mit einem schmalen lila Band belegt, für Jesus wurde schließlich auch kein roter Teppich ausgerollt. Mit durchsichtigem Stoff in lila, in der Farbe der Passionszeit, ist auch die Decke des Schaukastens ausgekleidet, wie ein lila Himmel, der sich nachts im Kasten spiegelt, so dass die ganze Installation dann die Farbe lila annimmt. Das Ortsschild Kreuzberg weist auf die oberste Stufe. Auf die Kartons sind jeweils Datum, Thema und Ort der 6 Andachten geschrieben. Insgesamt wirkt der Schaukasten, der die letzten Male so überreich gefüllt war, etwa karg. Aber das passt ja gut zur Passions- und Fastenzeit.

Der Kreuzweg war ursprünglich ein Pilgerweg in Jerusalem. Er begann im Haus des Pilatus, in dem das Urteil über Jesu gesprochen wurde und endete am Kreuzeshügel Golgatha, wo heute die Grabeskirche steht. Der Weg dahin führt durch die Gassen des alten Jerusalem, die berühmte Via Dolorosa, den Schmerzensweg. Ursprünglich hatte der Kreuzweg nur diese beiden Stationen. Im Mittelalter kamen immer mehr Stationen hinzu. Auch kam der Brauch auf, anstelle einer Pilgerung ins Heilige Land, die sich ja nur wenige leisten konnten, in der Heimat einen Kreuzweg nachzubauen und die einzelnen Stationen durch Bilder,  Skulpturen oder verzierte Holzkreuze darzustellen. Die Kreuzwege führen oft durch die Stadt, z.B. Lübeck oder Bamberg, aber auch durch die Natur. Dabei sind die Abmessungen häufig denen der Via Dolorosa nachempfunden mit ca. 600 Metern. Die Kreuzwege werden in der Passionszeit besonders am Karfreitag gegangen. An den Stationen gibt es jeweils eine Andacht oder ein Gebet. Im 19. Jahrhundert wurde es Sitte, in fast jeder katholischen Kirche die Kreuzwegstationen in Bildern anzubringen, dazu gehört eine bestimmte Gebetsfolge. So kann der Kreuzweg innerhalb der Kirche abgeschritten und vergegenwärtigt werden.

Mit den diesjährigen Passionsandachten können wir also in 6 Etappen Jesu Leidensweg mitgehen, uns für 1 knappe Stunde aus dem Alltag ziehen und uns auf Ostern vorbereiten. Eine schöne Idee.

Maren Topf-Schleuning

Kategorien Schaukasten