Veröffentlicht am Di., 15. Sep. 2015 22:48 Uhr

Die Exkursion am 12. September bildete sozusagen den Höhepunkt der von Pfr. Schöntube organisierten Vortragsreihe „Reformation und Bild“ mit sechs hochkarätigen Referenten. Am 16.11. gibt es noch einen Vortrag über Epitaphien und am 14.12. eine Exkursion in die Gemäldegalerie.

Fast 50 Gemeindemitglieder unterschiedlichen Alters, etwa 40 % Männer, darunter auch Neu-Frohnauer oder solche, die man eher selten sieht, hatten sich von dem strammen Programm von 8 bis 20 h nicht abschrecken lassen. Die Busfahrt wurde mit einführenden Worten zu den Ausstellungen von unserem Gemeindeglied und Kunsthistorikerin Dr. Ruth Slenzcka und zur Reformation allgemein von Pfr. Schöntube untermalt.

In Wittenberg erwartete uns im früheren Predigerseminar direkt neben dem Lutherhaus die erste Ausstellung überhaupt, die ausschließlich Lucas Cranach dem Jüngeren – nämlich zu seinem 500. Geburtstag-  gewidmet ist. Er ist in Wittenberg im Kreise der Reformatoren aufgewachsen und war dort wie sein Vater ein geschätzter und bedeutender Bürger der Stadt. Er führte die Werkstatt des Vaters weiter und entwickelte noch stärker als der eine eigene reformatorische Bildprogrammatik, z.B. das Motiv des gerechten Hauptmanns, der bei ihm in Ritterrüstung und hoch zu Ross vor dem ansonsten menschenleeren Golgatha mit den 3 Kreuzen steht. Das Motiv des Weinbergs des Herrn, auf dem auf der einen Seite die „Popen“ den Berg zerstören, auf der anderen Seite die Reformatoren ihn wiederherstellen und pflegen, ist schon sehr polemisch, aber wunderschön zu betrachten. Cranach d.J. war auch ein hervorragender Porträtist, der vor allem die sächsischen Kurfürsten, aber auch die Reformatoren, diese erstmals im Ganzkörperportrait darstellte, eine Pose, die bislang den Fürsten vorbehalten war. Etwa 30 Portraitzeichnungen, die zufällig nach Reims geraten sind, werden erstmals öffentlich ausgestellt. Sie werden alle Cranach d.J. persönlich zugeschrieben und dienten als Muster für die Ölgemälde, die in der Werkstatt angefertigt wurden.

Mitten in der Altstadt waren in einer Pizzeria 50 Essen nach Auswahl im Bus telefonisch vorbestellt worden, so dass noch Zeit für eine Andacht von Pfr. Schöntube in der extra für uns geöffneten Fronleichnamskapelle, die zur Stadtkirche Wittenberg gehört, blieb.

Nach einer willkommenen Mittagsruhe im Bus überraschte uns die eindrucksvoll hoch über an der Elbe gelegene Residenz von Torgau mit dem berühmten Wendelstein im Innenhof.

Wie schon in Wittenberg wurde die Gruppe geteilt, Frau Slenczka – historisch ebenso bewandert wie kunsthistorisch - führte durch die ereignisreiche und verwirrende Reformationsgeschichte vom Thesenanschlag 1517 bis zum Augsburger Religionsfrieden 1555. Torgauer Bündnis, Schmalkaldischer Krieg, der zwischen Kaisertreuen und protestantischen Kurfürsten wechselnde Moritz von Sachsen, Fürstentümer, die abwechselnd lutherisch, reformiert (calvinistisch), im Zuge der Gegenreformation katholisch und wieder lutherisch wurden. Die andere Gruppe besichtigte unter Führung von Pfr. Schöntube derweil die Schlosskapelle, die als erste Kirche nach den Vorstellungen der Reformation gebaut und gestaltet und von Luther eingeweiht wurde, die Gemächer des Kurfürsten und den Wendelstein. Danach wurde getauscht, so dass Frau Slenczka insgesamt 4 ehrenamtliche Führungen absolvierte, die letzte noch genauso furios und engagiert wie die erste.

Bei strahlendem Herbstwetter mit rotem Sonnenuntergang war auch die Rückreise im Bus sehr angenehm, ebenso das interessierte, aufgeschlossene und rücksichtsvoll-gelassene Miteinander der Gruppe den Tag über. Vielen Dank an Pfr. Schöntube und Dr. Ruth Slenczka – wir kommen gerne wieder mit! 

Maren Topf-Schleuning

Kategorien Besondere Veranstaltung