Passionszeit-Schaukasten

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# Aktuelles

Passionszeit-Schaukasten

Da weinte Jesus -  ist das Motto der diesjährigen sechs musikalischen und ökumenischen Passionsandachten, die reihum in den Gemeinden von Nord-Reinickendorf stattfinden. Jede Andacht ist zu einem Thema, über das Jesus weinte oder – wie wir vermuten – geweint hätte: Mobbing, Armut, Krieg, Mitweltzerstörung, Flucht, Krankheit.

Der aktuelle Schaukasten greift das Thema sehr plastisch auf: Eine riesige mit schwarzem Stoff bezogene Kugel symbolisiert die Erde, unsere Welt. Darauf sind Schilder angebracht, die allesamt Umstände benennen, die Jesus wohl zum Weinen gebracht hätten. Außer den Andachtsthemen: Vertreibung, Folter, Hass, Hochmut, Habgier, Neid, üble Nachrede aber auch Gottesferne und  Trägheit.

Auf der Weltkugel sitzt eine geschnitzte Holzfigur, die einen sehr traurigen Jesus darstellt. Daneben ein weinendes Auge, vergrößert aus einem Ölgemälde und der Hinweis auf die Bibelstelle in der Jesus weinte, Johannes Kap11, Vers 35.

Jesus weint dort über den Tod seines Freundes Lazarus und er weint vor allem aus Mitgefühl mit den trauernden Schwestern Maria und Martha. Und es gibt noch eine zweite Stelle im Neuen Testament, wo Jesus weint, Lukas Kap19, Verse 41-44. Da weint Jesus über die von ihm vorhergesehene und ja auch tatsächlich eingetretene Zerstörung der Stadt Jerusalem einschließlich des Tempels durch die Römer. Die Ursache für die Zerstörung sieht Lukas darin, dass Jerusalem nicht erkannt hat, was ihm Frieden gebracht hätte, nämlich er Jesus Christus.

Im Garten Gethsemane, in der Nacht vor der Verhaftung durch die Tempelwache, weint Jesus nicht, aber bei Markus heißt es: (er) fing an zu zittern und zu zagen 34und sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wachet!  Bleibet hier und wachtet mit mir, der Taizegesang EG 789,2 ist denn auch in diesem Jahr das Lied, das sich durch alle Passionsandachten zieht.

Jesus weint also nicht um sich selbst, sondern nur um andere.

Den biblischen Zitaten gemäß weint Jesus auch nicht um die Armen. Stattdessen preist er sie selig. "Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich."  aus der Bergpredigt Matthäus Kapitel 5,Vers 3. Jesus weint also nicht über die Armut in der Gegenwart, sondern sagt den Armen stattdessen  Genugtuung und Glück im Himmelreich zu. Das ist gewissermaßen eine Steigerung des Weinens.  Dass er mit der Armut auf Erden trotzdem nicht einverstanden war, folgt auch aus der von ihm übernommen Sozialkritik der Propheten des Alten Testaments. Zu Mobbing, Krieg, Umweltzerstörung und Flucht sagt Jesus nichts, obwohl zumindest Flucht auch schon damals ein Thema war. Aber Jesus hatte keine politische Perspektive, sondern die auf das nahende Reich Gottes. Deshalb war er nie im engeren Sinne politisch. Das haben auch die Römer nie verstanden, die ihn als Aufrührer und Feind des römischen Staates hinrichten ließen. Aber natürlich hat er durch sein Wort auch den Widerstand gegen die römische Besatzung beflügelt, ob absichtlich oder unabsichtlich. Aber ihm ging es um viel mehr als um das Abschütteln einer Besatzungsmacht. Ihm ging es um das Schicksal der Menschen.

Jesus weint auch nicht um die Kranken. Stattdessen heilt er sie. Auch das ist eine Steigerung gegenüber dem Mitleid.  Wer heilen kann, braucht dem Kranken kein Mitleid mehr entgegenzubringen. Umgekehrt: Das Mitleid war Jesu Motiv zum Heilen. Viele Heilungswunder und Heilstaten sind von ihm überliefert und treffen wohl auch historisch zu. Mit seinen körperlichen Heilungen hat er die Menschen zuerst fasziniert, danach mit seinem Wort zur seelischen Heilung. 

Wir können nicht seligpreisen und auch nicht heilen. Wir können nur weinen über die Zustände in der Welt und Mitleid haben mit den betroffenen Menschen wie Jesus. Und ja, er würde all das kritisieren und anprangern: Mobbing, Armut, Krieg, Umweltzerstörung, Flucht, Krankheit. Und ebenso Vertreibung, Folter, Hass, Hochmut, Habgier, Neid, üble Nachrede aber auch Gottesferne und  Trägheit.

Aber  wir sind aufgerufen diese Zustände zu ändern, dort wo wir es vermögen mit unserem Einsatz und unseren Kräften.

Für das Schaukastenteam
Maren Topf-Schleuning

Gehen Sie gern zu den zwei noch verbleibenden musikalischen Passionsandachten in der Dorfkirche Wittenau und der Kirche in Waidmannslust (jeweils Mittwoch 19 h).

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