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Vortrag über Kantorin (1939-1944) Marie-Luise Bechert
Vortrag über Kantorin (1939-1944) Marie-Luise Bechert

Es spricht ihr Sohn und Historiker Dr. Tilmann Bechert.
Marie -Luise Bechert (1908 –1953) : Kantorin in Kriegszeiten
Wer sich für die Geschichte unserer Kantorei , die bis 1980 „Kirchenchor “
hieß, interessiert, hat sicherlich schon die Namen der früheren Kantoren
Wolff, Nordmann, Kühn und Sieling gehört. Aber wer war Bechert? Ein
Blick auf das Leben und Wirken von Frohnaus bisher einzige r weibliche r
Kantorin lohnt sich .
1908 im schlesischen Grünberg (Zielona Góra) als viertes Kind de r
Textilfabrikanten Dr. Oskar und Gertrud Ostersetzer geboren , begeisterte
sich „Marlis“ früh für das Klavierspiel . Mit 15 Jahren brach sie das
Realgymnasium ab und ging nach Berlin , wo sie 1930 das Orgelstudium an
der Staatlichen Hochschule für Musik mit dem großen Kirchenexamen
abschloss. Sie erhielt eine Anstellung an der Lazaruskirche in
Friedrichshain , lernte dort den 15 Jahre älteren Tischlermeister Julius
Bechert kennen und zog mit ihm ins Münsterland. 1938 zog das Paar nach
Frohnau i n den Zerndorfer Weg und später in die Zeltinger Straße, wo die
Kinder Tilmann und Susanne geboren wurden.
P rotestantisch getauft und erzogen, galt Marlis Bechert dennoch wegen
des jüdisch geborenen Vaters den Nationalsozialisten als „nichtarisch“ und
war deshalb bereits 1935 aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossen
worden , was einem Berufsverbot gleichkam . Als der Frohnauer Kantor
Nordmann 1939 in den Kriegsdienst eingezogen wurde, vertrat Bechert ihn
zunächst informell , erhielt aber 1941 die offiziell e Vertretungsstelle als
Kirchenmusikerin in der Johanneskirche. Ihr Mann Julius sang als Tenor im
Chor.
Unmittelbar vor de m Ein marsch der Roten Armee floh Bechert nur mit den
Kindern im April 1945 zur Schwester nach Lübeck und ließ sich später in
Hamburg nieder. Dort etablierte sie sich als Organistin in Kirchen und beim
Rundfunk , während die Kinder im Kinderheim auf der Insel Föhr
untergebracht waren. 1949 erhielt Bechert in St. Katharinen in Hamburg
eine feste Anstellung als Organistin und Kantorin , die sie bis zu ihrem Tod
1953 nach kurzer schwerer Krankheit innehatte. Marlis Bechert wurde nur
45 Jahre alt . Von den Menschen, die sie kannten, wird sie als starke und
eigenwillige Persönlichkeit beschrieben. Dass sie Frauen und Männern
gleichermaßen zugetan war, hat ihren Lebensweg ebenso geprägt wie die
Repressionen des Nazi -Regimes .
Der Flügel, auf dem sie 1939 -45 in ihrer Privatwohnung in der Zeltinger
S traße spielte und der im Laufe der Jahrzehnte mehrfach den Besitzer
wechselte, bevor er von Becherts Sohn zurückgekauft und nach Duisburg
überführt wurde, soll im Jubiläumsjahr als großzügige Schenkung unserer
Kirchengemeinde übereignet werden. Das Konzert programm, mit dem
Bechert am 21. September 1941 in der Johanneskirche auftrat, wird nach 85
Jahren im kommenden September wieder aufgeführt.
Dorothee Bernhardt
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