Vortrag über Kantorin (1939-1944) Marie-Luise Bechert

Vortrag über Kantorin (1939-1944) Marie-Luise Bechert

Vortrag über Kantorin (1939-1944) Marie-Luise Bechert

Freitag, 25. September 2026, 19:30 Uhr
Gemeindesaal der Kirchengemeinde Frohnau, Zeltinger Platz 18, 13465 Berlin
Dr. Tilmann Bechert, Vortrag und Gespräch
Eintritt frei - Spenden erbeten

Es spricht ihr Sohn und Historiker Dr. Tilmann Bechert.

Marie -Luise Bechert (1908 –1953) : Kantorin in Kriegszeiten

Wer sich für die Geschichte unserer Kantorei , die bis 1980 „Kirchenchor “

hieß, interessiert, hat sicherlich schon die Namen der früheren Kantoren

Wolff, Nordmann, Kühn und Sieling gehört. Aber wer war Bechert? Ein

Blick auf das Leben und Wirken von Frohnaus bisher einzige r weibliche r

Kantorin lohnt sich .

1908 im schlesischen Grünberg (Zielona Góra) als viertes Kind de r

Textilfabrikanten Dr. Oskar und Gertrud Ostersetzer geboren , begeisterte

sich „Marlis“ früh für das Klavierspiel . Mit 15 Jahren brach sie das

Realgymnasium ab und ging nach Berlin , wo sie 1930 das Orgelstudium an

der Staatlichen Hochschule für Musik mit dem großen Kirchenexamen

abschloss. Sie erhielt eine Anstellung an der Lazaruskirche in

Friedrichshain , lernte dort den 15 Jahre älteren Tischlermeister Julius

Bechert kennen und zog mit ihm ins Münsterland. 1938 zog das Paar nach

Frohnau i n den Zerndorfer Weg und später in die Zeltinger Straße, wo die

Kinder Tilmann und Susanne geboren wurden.

P rotestantisch getauft und erzogen, galt Marlis Bechert dennoch wegen

des jüdisch geborenen Vaters den Nationalsozialisten als „nichtarisch“ und

war deshalb bereits 1935 aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossen

worden , was einem Berufsverbot gleichkam . Als der Frohnauer Kantor

Nordmann 1939 in den Kriegsdienst eingezogen wurde, vertrat Bechert ihn

zunächst informell , erhielt aber 1941 die offiziell e Vertretungsstelle als

Kirchenmusikerin in der Johanneskirche. Ihr Mann Julius sang als Tenor im

Chor.

Unmittelbar vor de m Ein marsch der Roten Armee floh Bechert nur mit den

Kindern im April 1945 zur Schwester nach Lübeck und ließ sich später in

Hamburg nieder. Dort etablierte sie sich als Organistin in Kirchen und beim

Rundfunk , während die Kinder im Kinderheim auf der Insel Föhr

untergebracht waren. 1949 erhielt Bechert in St. Katharinen in Hamburg

eine feste Anstellung als Organistin und Kantorin , die sie bis zu ihrem Tod

1953 nach kurzer schwerer Krankheit innehatte. Marlis Bechert wurde nur

45 Jahre alt . Von den Menschen, die sie kannten, wird sie als starke und

eigenwillige Persönlichkeit beschrieben. Dass sie Frauen und Männern

gleichermaßen zugetan war, hat ihren Lebensweg ebenso geprägt wie die

Repressionen des Nazi -Regimes .

Der Flügel, auf dem sie 1939 -45 in ihrer Privatwohnung in der Zeltinger

S traße spielte und der im Laufe der Jahrzehnte mehrfach den Besitzer

wechselte, bevor er von Becherts Sohn zurückgekauft und nach Duisburg

überführt wurde, soll im Jubiläumsjahr als großzügige Schenkung unserer

Kirchengemeinde übereignet werden. Das Konzert programm, mit dem

Bechert am 21. September 1941 in der Johanneskirche auftrat, wird nach 85

Jahren im kommenden September wieder aufgeführt.

Dorothee Bernhardt

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