Die Schuke-Orgel der Johanneskirche

Zur Einweihung der Kirche 1936 wurde auch die erste Orgel der Johanneskirche eingeweiht. Sie stammte aus der damals noch ungeteilt existierenden Orgelbauwerkstatt Alexander Schuke in Potsdam.  Sie hatte einen freistehenden und beweglichen elektrischen Spieltisch mit drei Manualen und Pedal. Das Pfeifenwerk stand ohne Gehäuse hinter dem noch heute sichtbaren Prospekt, der damals vollständig klingend war. Der expressionistische, mehrfach gipfelnde Freipfeifenprospekt, die neobarocke Disposition mit Aliquoten und kurzbechrigen Zungen wie z.B. einem Rankett 16‘ sowie die elektropneumatische Traktur mit fahrbarem Spieltisch galten zur Bauzeit als sehr fortschrittlich. In den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das Instrument jedoch immer störanfälliger und unzuverlässiger. Außerdem entwickelte sich der Klang von dem weit zurückgesetzten Standort und ohne bündelndes Gehäuse zu schwach in den Raum hinein. Deshalb beschloss man einen Neubau unter teilweiser Verwendung alter Pfeifen. Die neue heutige Orgel wurde dann 1991 von der Berliner Orgelbauwerkstatt Karl Schuke fertiggestellt. Sie hat 40 Register (davon 23 aus altem Pfeifenmaterial) auf drei Manualen und Pedal. Die Spieltraktur ist mechanisch (außer elektr. Koppeln III-II, III-I). Die Registertraktur ist elektrisch und verfügte 1991 über eine Setzeranlage mit 32 Kombinationen. Um eine bessere Klangbündelung und Abstrahlung nach vorn zu erreichen, wurde hinter dem historischen Prospekt ein (schmaleres) Holzgehäuse gebaut. Die beiden äußeren Felder des Prospektes sind deshalb heute stumm. Der freigewordene Raum dahinter bietet Platz für mögliche Erweiterungen.

In den 90er Jahren wurde ein Zimbelstern hinzugefügt, der sich unsichtbar auf der Taufsteinseite hinter dem Prospekt befindet.

2010 wurde die Orgel im Zuge einer Generalreinigung durch die Erbauerfirma Schuke Berlin behutsam etwas grundtöniger nachintoniert. Zudem wurden die drei Manualmixturen etwas tiefer gelegt, um die ursprünglichen Lücken im oberen Teil des Klangaufbaus besser zu schließen und einen wärmeren und volleren Gesamtklang zu erreichen. Die dabei ausgewechselten Originalpfeifen lagern im Orgelgehäuse, sodass der ursprüngliche Zustand leicht wieder hergestellt werden kann. Nach einem Elektrikerschaden musste die Setzeranlage 2016 erneuert werden und hat seitdem 6.400 Kombinationen auf 10 Ebenen.

Die Schuke-Orgel der Johanneskirche wirkt im Raum trotz ihrer Größe eher kammermusikalisch. Das liegt vor allem an der auf unverstärkte Sprache ausgelegten Raumakustik von 1936 (stark aufgerauhter Putz und Holzdecke mit Schnitzereien) und an ihrer weit zurückversetzten Lage auf der sehr großen Kirchenmusikempore. Ihre Stärken liegen neben dem Einsatz als Konzertorgel vor allem im Begleiten von Gemeinde, Ensembles und Solisten. Durch das reich besetzte Schwellwerk und die insgesamt zurückhaltende Lautstärke sind dabei auch im Pianobereich zahlreiche Klangfarben möglich. Die Frohnauer Orgel ist das größte Instrument im Stadtbezirk Berlin-Reinickendorf.

Informationen zur Disposition der Orgel finden Sie hier> (PDF-Dokument)
 

Text und Fotos: Jörg Walter